Wenn das schlechte Gewissen nagt und Dich nicht in Ruhe lässt. Eine Anleitung zum Loslassen

Das schlechte Gewissen schleicht sich durch den ganzen Körper durch, ich fühle es in der Magengegend, wie es mich innerlich auffrisst. Die Gedanken schiessen durch den Kopf und jagen das schlechte Gewissen in die Höhe. Das Gefühl will nicht weg und mein Ego schärft mir ein „Wie konntest Du nur?“, „Warum hast Du Dich so verhalten?“, „Warum hast Du das bloss gemacht?“, „Warum hast Du das gesagt?“…

Dieses Gefühl, ich habe was falsch gemacht, kenne ich seit meiner Kindheit. Das nagende Gefühl, ich hätte mich „richtig“ verhalten sollen, ich sollte keine Wutausbrüche haben, ich sollte doch angepasst sein, ich sollte mich doch beherrschen können, ich sollte doch… Ich kann mich erbarmungslos mit Selbstvorwürfen verurteilen. Früher hätte ich mich am liebsten im Mauseloch verkrochen, so sehr nagten die Vorwürfe in mir, wieder mal falsch oder inadäquat gehandelt zu haben.

Es ist die innere Stimme, die mir deutlich macht: Das war nicht richtig, du hast allen Grund, dich schlecht zu fühlen und dich für dein Verhalten zu schämen. Das schlechte Gewissen meldet sich jedes Mal zu Wort, wenn ich unterbewusst der Meinung bin, ich hätte etwas anders machen müssen. Oft entsteht das schlechte Gewissen auch aus dem Wunsch, es allen recht zu machen.

Woher kommt das schlechte Gewissen?

Das schlechte Gewissen ist die Diskrepanz zwischen Deinem eigenen Verhalten und der persönlichen Wertvorstellung. Passt das, was Du tust oder denkst, nicht zu dem Selbstbild, was Du von Dir hast, entsteht ein schlechtes Gewissen. Kennst Du das?

Das schlechte Gewissen läuft uns in vielen Formen jeden Tag im Alltag hinterher. Es ist Dein moralischer Kompass quasi ein Teil Deines Bewusstseins, das bestimmt, wie Du urteilen und handeln solltest. Im Laufe Deines Lebens hast Du verschiedene Normen, Werte und Sitten Deiner Umgebung und der Gesellschaft angenommen und hast Deine eigene Meinung über Ethik, Moral und Intuition gebildet. Dein Gewissen lässt Dich zwischen richtig und falsch unterscheiden und daraus leitest Du ab, welche Handlungen ausgeführt und welche unterlassen werden sollen. Es kann Dich vor möglichen Fehlern und Dummheiten warnen und erfüllt somit einen gesellschaftlichen Nutzen.

Jedoch kann das schlechte Gewissen ein grosser Spielverderber sein, vor allem wenn Du Dich für Dein Verhalten verurteilst und Du Dich kleinmachst. Beim schlechten Gewissen spielen die inneren Überzeugungen eine grosse Rolle. Sie sind Teil Deines inneren Kompasses. Eine meiner inneren Überzeugung rührt aus der Kindheit her: die Angst vor Kritik. Diese Angst ist der Grund, warum ich die innere Überzeugung getroffen habe „ich darf keinen Fehler machen“, sprich mich „perfekt“ verhalten, ja nicht auffallen, bloss nichts Falsches sagen… Diese innere Überzeugung hat mich jahrelang geschützt und mir sicherlich auch einige Vorteile gebracht, aber zu welchem Preis?!

Heute habe ich ein gesundes Selbstvertrauen aufbauen können. Ich habe ein grosses Stück dieser Ängste und Überzeugungen loslassen können. Mein Weg und mein Blick gingen über das Aussen nach innen: Ich musste meine inneren Überzeugungen überprüfen und loslassen.

Wenn Dich Dein schlechtes Gewissen zermürbt, dann ist es Zeit, genauer hinzuschauen:

  • Welche inneren Überzeugungen stecken hinter Deinem schlechten Gewissen?

  • Was macht das schlechte Gewissen mit Dir?

  • Wer wärst Du ohne Dein schlechtes Gewissen?

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Wie kannst Du Frieden mit Deinem schlechten Gewissen schliessen?

Eines wollen wir eigentlich immer: das schlechte Gewissen loswerden. Deshalb schauen wir es uns auch viel zu selten richtig an, verdrängen es lieber oder versuchen es zu überspielen. Und gerade deshalb hat es so eine unheimliche Macht über Dich. Die Kunst besteht aber darin, das schlechte Gewissen in seiner vollen Wirkkraft anzunehmen. Denn wenn Du die Gefühle Deines schlechten Gewissens annimmst und akzeptierst, nimmst Du Deinem schlechten Gewissen den Wind aus den Segeln.

Was kannst Du tun, um mit Deinem schlechten Gewissen Frieden zu schliessen?

Es gilt den Blick nach innen zu richten.

  • Beantworte die oben gestellten Fragen

  • Was gilt es loszulassen?

  • Akzeptiere Dein Verhalten und nimm es an. Es ist, wie es ist. Was immer vorgefallen ist, es gehört bereits Deiner Vergangenheit an.

  • Schliesse Frieden mit der Situation, in dem Du Dir innerlich verzeihst und die Vorwürfe loslässt. Entschuldige Dich für Dein Verhalten, wenn es notwendig ist

  • Du musst keine Entscheidung unter dem Einfluss eines schlechten Gewissens treffen. Warte ab, verbinde Dich mit Deiner Intuition und entscheide dann.

  • Gib Dir eine grosse Portion Selbstliebe, verbinde Dich mit Deinem Herzen, atme diese Liebe tief ein, bis Deine Zellen anfangen zu tanzen. Dann wissen Deine Zellen, dass sie nicht auf Dein schlechtes Gewissen reagieren müssen und Du kannst Dich entspannen und Du bist frei.

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